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Laufende Ausstellung

Farbenkreis u.a. mit Alberola, Lüpertz, El Bocho, Maron, Kroiss
06.04.13 - 01.06.13

Phone ++49. +30. 261 92-18

Fax ++49. +30. 31 01 53 08

Öffnungszeiten:
Mo–Fr 10–19 Uhr
Sa 10–16 Uhr

Armando- Neues aus 2011

Armando

wurde 1929 in Amsterdam geboren, als er fünf Jahre alt war, zog die Familie nach Amersfort. Der Ort, an dem die Nationalsozialisten Deutschlands erst ein Durchgangslager, dann ein Konzentrationslager errichteten, hat Leben und Werk des Malers, Dichters und Schriftstellers, des Musikers Armando geprägt.

Niemand kann darüber genauer Auskunft geben, als er selbst. Dazu nachfolgend die 1987 von ihm anlässlich der Verleihung des Gouden Ganzeveer Preises ( Kulturverband des Königlich Niederländischen Journalistenverbands) gehaltene Rede.

Schönheit

Ich möchte einige Worte zu meinem unsicheren Umgang mit der Schönheit sagen, oder vielmehr damit, was als „Schönheit des Bösen“ bekannt ist.

Wenn ich vom „Bösen“ spreche, beziehe ich mich auf das, was die Menschheit aus Bequemlichkeit das Böse nennt. Ich habe diesen Begriff übernommen, weil mich die Erfahrung lehrte, dass das Böse existiert. Nicht nur die Erfahrung, auch der Spiegel lehrte mich das. Ich habe tatsächlich von Zeit zu Zeit einen Blick hineingeworfen. Ich bin dem, was ich sehe, nicht besonders gewachsen.

Menschen sprechen oft zu Recht oder Unrecht- beides ist hier nicht relevant- in einem heiliger als der Papst Gehabe über diejenigen, die sich völlig freiwillig dem Feind des Tages unterworfen haben. Gut, aber was halten Sie von den Bäumen, Tannen, Fichten, die sich vorbehaltlos jedwedem Feind, der herbei kommt, gefügt haben und immer noch fügen? Seheh Sie sich die Bilder des Feindes in Aktion an: da sind sie, die Bäume, sie stehen im Hintergrund und lachen. Nicht nur die Tannen und Fichten, alle anderen Bäume ebenso. Sollte man darüber nicht etwas sagen? Ich denke schon, denn sie stehen immer noch da, Bäume, am Rande des Waldes und der bösen Waldung, genau an dem Platz von damals, man sollte glauben, sie seien fortgegangen, sie stehen da als gleichgültige Zeugen. Ich sehe sie an, sehe über sie hinweg und dann geschieht etwas, das mich krank macht: sie sind wunderschön, ich finde sie wunderschön.

Ich habe es oft genug gesagt und kann es nicht oft genug wiederholen: Schönheit ist verdächtig, Schönheit ist nicht die Bohne wertvoll, Schönheit ist alles egal, Schönheit stellt sich einem immer in den Weg.

Zum Beispiel: Mir liegt ein bestimmter Platz am Herzen, an dem mehrere Straßen zusammenstoßen. In der Woche ist hier wenig Verkehr. Büsche wachsen unter den Bäumen. Die Luft summt und riecht süß. Oberflächlich sieht die Straße verträumt aus. Ein unzugängliches Landhaus. Pferd und Reiter. Jemand auf dem Fahrrad, Heidekraut auf dem Gepäckträger. Ein wahres Idyll.

Inzwischen hat der Platz eine andere Form angenommen. Dieselben Büsche, dieselben Bäume. Es ist immer noch still, aber etwas ist falsch. Hier wurde eine Tat ausgefochten, eine Tat. Kälte. Leere. Opfer. Düstere Straßen voller Abfall. Überbleibsel der Macht.

Ein und derselbe Platz, aber in der Erinnerung ist die Szene von brutaler Gewalt fast noch schöner, als das Idyll. Das reicht, um wahnsinnig zu werden.

Denn die Schönheit hat sich hier niedergelassen, hat vom Platz Besitz ergriffen, damals hat diese Schönheit sich mir gezeigt, enthüllt.

Es ist die Schönheit des Bösen, Schönheit im Schoße des Bösen, die beim Erwachen des Bösen nach einem Platz sucht, um sich zu zeigen, obwohl mir das nichts nützt.

Diese Schönheit zwingt mich, das „Böse“ in die schuldlose, da amoralische Domäne der Kunst aufzunehmen. Jetzt ist das Böse nicht mehr das Böse, es ist Kunst. Das mag unverdient sein, ist aber wahr. Das unschöne Schöne, das Furchtbar- Schöne wird Kunst, es entsteht das Erhabene, wie ich hoffe, das Erhabene als künstlerische Bändigung des Entsetzlichen.

An diese Schönheit habe ich mein Herz verloren. Mein Leben habe ich dieser Schönheit gewidmet. Sie hat mich in ihrer Gewalt. Es gibt keinen Zwiefel: ich diene ihr.

Man sollte sich das nicht als ungetrübte Freude vorstellen. Deshalb suche ich von Zeit zu Zeit Zuflucht, Ruhe. Das braucht man, um nicht vor seiner Zeit zu sterben. Wenn ich Tag und Nacht, Wochen und Monate lang in schicksalshafte Bemühungen verstrickt bin, um die Fantasien von Mensch und Natur in einem Kunstwerk zu beruhigen, kann ich, wenn das Werk vollendet ist, nur noch im hektischen Durchblättern eines Buches voller Farbabbildungen Ruhe finden, sagen wir, mit Gemälden von Bonnard.

Maler wie Bonnard nahmen keinen Anstoß am Bösen in der Schöpfung, sie ignoroerten die Schönheit des Bösen, sie ließen es zu, dass es an ihnen vorbeiging, richteten ihren Blick ohne müde zu werden auf die Schönheit des Alltäglichen, Schönheit auf Armes Länge, die den Schritt zum Kunstwerk kürzer macht. Nicht einfacher, nur kürzer. Nationen gingen wütend in die Schlacht, diese Menschen blieben möglichst zu Hause und malten eine Frau im Sessel. Oder sie malten gegen einen wolkenlosen Himmel gerichtete Blumen.

Es gab eine Zeit, da fand ich solche Maler widerlich, aber es sieht so aus, als habe ich meine Meinung geändert. Heute denke ich, sie hatten vollkommen recht, ich bewundere und beneide sie, denn ich kann nicht tun, was sie tun, dazu bin ich nicht arglos genug.

Was ich sagen will: lasst mich sein, wie ich bin. Darin kann kein Übel liegen.

( Originaltext Holländisch)



1929 geboren in Amsterdam

seit 1996 Mitglied der Akademie der Künste, Berlin

1998 Armando Museum in Amersfoort

lebt und arbeitet in Potsdam und Amersfoort



Skulpturen im öffentlichen Raum

1990 Fahne – Concertgebouw Amsterdam

1992 Das Rad – Rosmalen

1994 de Ladder – Amersfoort

1995 Der Baum – Groningen

2000 Das Rad – ABN Amro, Amstelveen

Die Hand – Prive, Arnhem

2011 Gestalt – Caldic Collectie, Wassenaar



Arbeiten in öffentlichen und privaten Sammlungen

Berlinische Galerie, Berlin

Bonnefantenmuseum Maastricht

Bouwfonds Nederlandse Gemeenten, Hoevelaken

Centraal Museum Utrecht

Collection Sanders, Amsterdam

Collection Kramarsky, New York

Collection Lauder, New York

Dordrechts Museum

European Investment Bank, Luxembourg

Frans Hals Museum, Haarlem

Gemäldegalerie Neue Meister, Dresden

Hara Museum of Modern Art, Tokyo

Hess Collection, Napa, California

IBM Stuttgart

Ludwig Museum Budapest

Kunsthalle Kiel

Kupferstichkabinett BerlinischeKoninklijke Bibliothee, Den Haag

Museum Boymans – van Beuningen, Rotterdam

Museum Jan Cunen, Oss

Museum Moderner Kunst, Wien

Museum of Modern Art, New York

Neue Galerie Kassel

Neues Museum Weserburg, Bremen

Neue Nationalgalerie Berlin

Staatsgalerie Stuttgart

Städtische Kunsthalle Mannheim

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