Heinz Emil Salloch
Heinz Emil Salloch wurde am 31. Dezember 1908 in Berlin geboren und starb 1985
in Chestertown, Maryland. Sein Vater war Lehrer und lutherischer Laienpfarrer. Er
studierte Kunst in Kiel. 1929 verließ er die Stadt und zog wieder nach Berlin, wo er
als Lehrer arbeitete. Anläßlich einer kleinen Ausstellung 1975 in Chestertown
schrieb seine Frau Erika folgendes:
„Nicht bereit, der NSDAP beizutreten, war 1936 die einzige Arbeit, die Salloch
bekommen konnte, die eines Vertretungslehrers in Schlesien, wo er schon bald
Ärger mit der Ortsgruppe der Partei bekamm. Nachdem er 3 jüdische Kinder zu
einer Weihnachtsfeier eingeladen hatte und außerdem in seinem Unterricht nicht –
wie vorgeschrieben – den Völkischen Beobachter verwendete, wurde er von seiner
Vermieterin in Striegau gewarnt, dass die Gestapo sich über ihn erkundigt habe.
Er floh zu seiner Mutter nach Berlin und erhielt kurz darauf ein Besuchsvisum
für seinen Bruder in den Vereinigten Staaten.“
1937 kam er als Einwanderer in die Vereinigten Staaten und verdiente seinen
Lebensunterhalt als Werbegrafiker.
Seine Gemälde und Zeichnungen, die in der Zeit von 1920 bis 1937 entstanden sind,
geben dem Betrachter einen kleinen Einblick in das Fühlen und Denken des Künstlers.
Von lichten, fast abstrakten Arbeiten Mitte der 20er Jahre sowie weiten Himmeln,
Booten und Hafenbildern von Kiel bewegt er sich zu rauen Bergdörfern, gefolgt von
den Stahlbögen Berlins, dunklen Türmen und Kirchen. Als die Nazis an die Macht
kamen, wird das Datum 1933 in vielen Werken Teil der Komposition gegen ein
Vergessen.
In seinem letzten Skizzenbuch aus dieser Zeit findet sich nur die Leere der See.
Werner Drewes
Der Künstler wird am 27. 7. 1899 im niederlausitzschen Canig, Deutschland,als
Sohn des Pastors Georg Drewes und seiner Frau Martha geboren und starb 1985.
Nach dem Militärdienst 1919 Immatrikulation an der TU Berlin-Charlottenburg,
Studiengang Architektur und Design. Durch seine Bekanntschaft mit Herwarth
Walden und dessen Galerie erwarb Werner Drewes 1919 sein erstes Gemälde.
Das Geld für William Wauers Bild „Blutrausch“ verdiente sich Drewes bei den
Berliner Gas- und Wasserwerken. Im gleichen Jahr machte er Bekanntschaft mit
Heinrich Vogeler und übernachtete auf Gut Barkenhoff.
1920 Immatrikulation an der TU für Architektur in Stuttgart, 1921 wechselt er an
die Kunstgewerbeschule Stuttgart, u.a. Unterricht für Glasmalerei und Aktzeichnen.
Der französische Maler Lauent macht Drewes auf das Bauhaus Weimar auf-
merksam.
1921/1922 studiert Werner Drewes am Bauhaus bei Johannes Itten, Paul Klee
und Oskar Schlemmer. Im gleichen Zeitraum gibt der Künstler die Holzschnitt-
folge Gethsemane „Ecco Homo“ heraus.
1923/1924 Studienreisen nach Italien,Spanien, USA, Latein- und Mittelamerika.
In dieser Zeit heiratet er seine Jugendfreundin Margarete Schrobsdorff in Madrid,
die er auf den Azoren wiedergetroffen hatte.
Eine weitere Studienreise führt Drewes 1927 von San Francisco nach Japan und
Korea sowie im März mit der transsibirischen Eisenbahn nach Warschau, Moskau
und die Mandschurei.
Danach führte er 1927/28 sein Studium am Bauhaus Dessau weiter und arbeitete
jetzt eng mit Feininger und Moholy-Nagy zusammen.
1930 Emigration mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in die Vereinigten Staaten.
Hier wurde 1931 in New York sein dritter Sohn geboren.
Seit 1930 Herausgabe von 10 Holzschnitten „Manhattan“, „Harlem Beauty“, „Gandhi“,
„New Rochelle Boat Race“.
Ilse Bing
Ilse Bing wurde 1899 in eine wohlhabende jüdische Frankfurter Kaufmannsfamilie
als Tochter von Louis Bing und seiner Frau Johanna Elli Bing, geb. Katz, geboren.
1998 starb sie in New York
Sie nahm 1920 das Studium der Mathematik und der Physik an der Frankfurter
Universität auf, wandte sich dann der Kunstgeschichte zu und verbrachte das
Wintersemester 1923/1924 am Kunsthistorischen Institut Wien.
Ihre fotografische Praxis entstand mit der 1924/1925 aufgenommenen Arbeit an
einer Dissertation über den Architekten Friedrich Gilly. Zu Dokumentations-
zwecken erwarb sie eine Voigtländer 9x12 cm. Als sie 1929 ihr Studium
beendete und die Dissertation aufgab, wandte sie sich gänzlich der Fotografie zu,
erwarb eine Leica (Kleinbild) und arbeitete fotojournalistisch. Erste Reportagen
publizierte z. B. „Das Illustrierte Blatt“, Frankfurt. 1930 konnte sie im
„Neuen Frankfurt“ eine Dokumentation über das von dem Architekten Mart Stam
entworfene Altersheim in Frankfurt veröffentlichen. Im selben Jahr siedelte Bing
nach Paris um und setzte hier ihre fotografische Arbeit fort. Sie erhielt u.a. durch
die Vermittlung des ungarischen Journalisten Heinrich Guttmann Reportageaufträge.
1931 stellte sie ihre Arbeiten in Frankreich und Deutschland aus.
Neben ihren Arbeiten an Fotoreportagen experimentierte Ilse Bing während des
Jahres 1934 im Fotolabor mit der Technik der Solarisation; unabhängig von den
parallel entstehend Werken von Man Ray.
Nach ihrer Teilnahme an einer Gruppenausstellung in der Julien Levy Galerie im
New York des Jahres 1932 wurden 1936 in der „Internationalen Ausstellung
zeitgenössischer Fotografie“ im Pariser „Musée des Arts décoratifs“ Werke von
ihr gezeigt. 1939 war sie Teilnehmerin in der von Beaumont Newhall organisierten
Ausstellung „Photography 1938–1937“ im Museum of Modern Art, New York.
Nach dem Einfall deutscher Truppen in Frankreich wurde Ilse Bing 1940
gemeinsam mit ihrem Mann, dem deutschen Pianisten und Musikwissenschaftler
Konrad Wolff, den sie 1937 heiratete, in einem Lager in Gurs/Frankreich interniert.
Über Marseille gelang beiden die Emigration in die Vereinigten Staaten.
Sie ließen sich in New York nieder.
Bob Rutman
Bildhauer, Instrumentenbauer, Klangerfinder, Maler, Musiker und Zeichner
1931 in Berlin geboren
1938 Flucht mit seiner jüdischen Mutter nach Polen
1939 Flucht nach England
1950 Auswanderung in die USA
1951 zum Militärdienst nach Deutschland/Heilbronn
1955-62 Kunststudium in New York und Mexico-City
1966 Gründung einer eigenen Galerie in New York
Prototyp für das "steel-cello" und die "bow-chimes" entsteht
1967-72 Multimedia-Galerie in Maine
1975 das Steel Cello Ensemble wird von Bob Rutmann gegründet
70er umfangreiche Tourneen mit dem Steel Cello Ensemble durch
Amerika und Europa
1976 Hauptteil des bildnerischen Werkes entsteht (Boston)
80er Auftritte mit dem Zyklus "morality plays"
1986 multimediale Performance in Judson Church/New York City
1990 Rückkehr nach Berlin, wo er seither lebt u. arbeitet
1998 US-Tour mit den "Einstürzenden Neubauten"
1999 Performance beim Berliner Atonal-Musikfestival
Antonia Lerch
Filmmacherin (Autorin, Regisseurin, Kamerafrau, Cutterin, Produzentin)
1967 - 1971 Kunsthochschule Mainz
1971 - 1974 Grafik-Designerin in Düsseldorf und Frankfurt/Main
1974 - 1978 Freie Universität Berlin
(Theaterwissenschaften, Publizistik)
Filme
DER UMSETZER (1976)* Filmfestival Mannheim, Duisburger Filmwoche,
Filmfestival Locarno
IM LABYRINTH (1979)*
EKATERINI (1979)
GUTE NACHT ZIRKUS (1980)
DIE ZIRKUSREITERIN (1981)
DIE SPITZE DES EISBERGES (1982)*
DIE KAUTSCHUKDAME (1984)
TILLY BEBE (1987)
POSEIDON (1989)
DER EINSAME WOLF (1991)
ZWEITE HEIMAT (1991)
NACHTSCHICHTEN (1992)
ILSE BING, FOTOGRAFIN, GEBOREN 1899 (1993), Duisburger Filmwoche
GRETE STERN, FOTOGRAFIN, GEBOREN 1904 (1993)
ELLEN AUERBACH, FOTOGRAFIN, GEBOREN 1906 (1993)
SIEBEN FREUNDINNEN (1994) Duisburger Filmwoche, Steirischer Herbst, Graz
VOR DER HOCHZEIT (1996), Internationales Forum des Jungen Films, Berlin, 1997
BACKSTAGE (1997)
LETZTE RUNDE (1997) Documenta X -Teilnehmerin, Kassel 1997, Duisburger Filmwoche 1997, ART CHICAGO 1998,
LIST UND LIEBE (1999)
GEHIRN (2000)*
MEIN LIEBES GEHIRN (2002)
WUT IM BAUCH (2004)
DER TRAUM DES REGENWURMS (2006)
(*zusammen mit Benno Trautmann)
Filme als Schauspielerin oder Tonfrau:
Buch, Regie, Schnitt: Benno Trautmann:
DER TODESSPRINGER (1984) S
DER GESCHLAGENE KOTFLÜGEL (1986) S
HINDUKUSCH (1988) S
MISTKÄFER (1990) S
SAAL DER VERLORENEN SCHRITTE (1992) T
KIND IM SPEED TEST (1996) T
NEUE GEHIRNE (2001) T
TRAUER (2003) T
Radioreportagen
VORURTEIL
BEHINDERT
EIFERSUCHT
OBDACHLOS
ALKOHOL
PFANDLEIHHAUS
Festivalteilnahmen:
Berlin, Mannheim, Saarbrücken, Hof, Biberach, München, Hamburg, Oberhausen,
USA: New York, Seattle, San Francisco, Berkeley, Chicago, Hawaii;
KANADA: Vancouver, Victoria; FRANKREICH: Cannes, Paris, Orleans;
SCHWEIZ: Locarno; ITALIEN: Taormina; PORTUGAL: Figueira da Foz, Tavira; ENLGAND: Birmingham; IRLAND: Cork.
Welttournee der Goethe-Institute
Preise:
Prädikat Besonders wertvoll (FBW), Atlas-Förderpreis (Duisburg), Max-Ophüls Förderpreis (Saarbrücken), Chariddi di Bronzo (Taormina), Silberne Tafel + Erster Preis der International Federation of Film Societies (Figueira da Foz), Erster Preis (Tavira)
Ausstellungen
1990 Civitella d' Agliano, Italien, “Skizze zu einer zeitgemäßen Idee von der Natur in
künstlerischen Prozessen der Gegenwart”
Videofilme: „Portraits von Frauen“, „Dorfinstallationen“, Juli 1990
1997 Teilnehmerin der documenta X, Kassel
Der Dokumentarfilm „Letzte Runde“ von Antonia Lerch hatte seine Uraufführung
am 27. Juni 1997 auf der documenta X in Kassel. Erstmals in der Geschichte
der documenta stellte die künstlerische Leiterin, Catherine David, ein selbst
initiiertes Filmprogramm vor. Eine Regisseurin und fünf Regisseure wurden
gebeten, jeweils einen Film in Koproduktion mit der docmenta X zu drehen.
Die anderen Regisseure dieser "documenta X - DIE FILME“ waren:
Charles Burnett, Harun Farocki, Raoul Peck, Abderrahmane Sissako
und Aleksander Sokurov.
2003 Das Atmen der Stadt”, Urbane Seismographien in Kunst und Architektur
Video und Fotografien; Work in Progress “WUT”
HAUS AM WALDSE, Berlin, 15.6. - 3.8.2003
Stipendien
1. Drehbuchstipendium BMI (Bundesminister des Inneren)
2. Drehbuchstipendium FFA (Filmförderungsanstalt Berlin), Stipendium der FFA für
ein 3monatiges Regie- und Schauspielseminar in den Filmstudios von Cinecitta,
Rom. Stipendium der Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin,
3 - wöchiger Arbeitsaufenthalt in Civitella d’Agliano, Italien: “Skizze zu einer
zeitgemäßen Idee von der Natur in künstlerischen Prozessen der Gegenwart”.
Seit 2003
Konzeption und Durchführung von Filmwerkstätten
2003 „MOVEMENT“ für FRAUENKREISE, Berlin
2004 „HERZSCHLAG“ für FRAUENKREISE, Berlin
2006 „SELBSTPORTRAIT“ für FRAUENKREISE, Berlin
2006 „SELBSTPORTRAIT“ für NACHBARSCHAFTSHAUS URBANSTRASSE, Berlin
2007 „ATEM“ für FRAUENKREISE, Berlin
2007 „MEINE GESELLSCHAFT“ für NACHBARSCHAFTSHAUS URBANSTRASSE, Berlin
2007 „PARADIES“ für FRAUENKREISE, Berlin
2007 „ICH“ für INSELPARADIES Petzow bei Potsdam
Raab Galerie . Fasanenstr. 72 . 10719 Berlin . www.raab-galerie.de